Junge Islam Konferenz (JIK)

Stichworte: Jugendliche, junge Muslime, Dialog, Islamophobie, Islamfeindschaft, HU-Berlin, Stiftung Mercator

Die Junge Islam Konferenz (JIK) ist in Anlehnung an die Deutsche Islam Konferenz (DIK) ein Dialogforum für junge Menschen im Alter von 17 bis 25 Jahren. Die Teilnehmer sprechen Empfehlungen an die DIK aus. Leider bleibt die thematische Ausrichtung sehr einseitig. (Von Felix Strüning)

Kurz-Portrait

Logo der JIK

Die Junge Islam Konferenz (JIK) wurde 2011 von der Stiftung Mercator und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU-Berlin) initiiert. Das Projekt wird durch die an der HU-Berlin angesiedelte Forschergruppe  Junge Islambezogene Themen in Deutschland (JUNITED) sowohl durchgeführt als auch  wissenschaftlich begleitet.

Die Junge Islam Konferenz findet jährlich im Vorfeld der Deutschen Islamkonferenz auf Bundesebene statt. Etwa 30 bis 40 Jugendliche aus den einzelnen Länderkonferenzen (= Vorbereitungsseminar + Planspiel) sowie Alumni des Projekts tragen ihre Ergebnisse zusammen und formulieren einen gemeinsamen Empfehlungskatalog, der sich an den inhaltlichen Schwerpunkten der DIK orientiert.

Die Stiftung Mercator hat die JIK 2011/2012 mit 49.500 Euro 1 finanziert, für den Zeitraum 2012-2016 sind 1.988.700 Euro 2 bewilligt. Welche Mittel seitens der HU-Berlin aufgebracht werden, ist nicht ersichtlich.

Vertretene Positionen

Die JIK will zum einen „eine Plattform zur Weiterbildung und Diskussion zu Themen rund um Islam und Muslime in Deutschland“ für junge Menschen sein, zum anderen „gesellschaftliche Diskurse durch konkrete Empfehlungen an Politik und Öffentlichkeit“ kritisch begleiten und „dabei eigene Akzente für eine plurale Gesellschaft“ setzen. 3 Das Projekt soll also sowohl politisch-gesellschaftlicher Akteur sein als auch Untersuchungsgegenstand der beteiligten Forscher. Ob eine objektive Distanz letzterer dabei gewahrt werden kann, bleibt zumindest fragwürdig.

Interessant ist, dass die JIK sich nicht primär mit den Konfliktfeldern beschäftigt, die sich bei der Integration der Muslime in Deutschland und Europa zwangsläufig ergeben, weil sehr verschiedene Kulturen und Lebenskonzepte aufeinandertreffen: „Dabei liegt der Schwerpunkt weniger auf einer spezifischen Beschäftigung mit muslimischer Religiosität, Praktiken und Strukturen.“ 4 Stattdessen fokussiert die JIK auf „die in der Öffentlichkeit bestehenden Bilder von Muslimen und die eng damit zusammenhängenden Politikbereiche.“ 5 Als Grund dafür führt die wissenschaftliche Leiterin des Projektes seitens der HU-Berlin, Naika Foroutan, an:

„Die Beschäftigung mit Einstellungen gegenüber Muslimen ist für uns zentral, weil diese letztlich die Einstellungen gegenüber einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung reflektieren. Denn die Akzeptanz einer pluralen, vielfältigen Gesellschaft als deutsche Lebensrealität lässt sich am Umgang mit und der Einstellung zu kulturellen, ethnischen, religiösen oder nationalen Minderheiten in der Gesellschaft messen. Am Umgang mit dem Thema ‚Islam in Deutschland‘ lässt sich daher ablesen, wie sehr man tatsächlich bereit ist, dieses Land als vielfältiges Einwanderungsland wahrzunehmen und anzunehmen.“ 6

Diese sehr einseitige Ausrichtung der JIK ist allerdings mehr als kritisch zu sehen. Die Sichtweise der Aufnahmebevölkerung auf den Islam und die Muslime ist sicherlich ein zentrales Thema bei einer Dialogveranstaltung. Aber sie ist eben nur die eine Seite der Medaille und lässt alle Aspekte außen vor, die die Muslime selbst betreffen – und für die auch nur sie selbst Lösungen entwickeln könnten.

Die thematische Verengung spiegelt sich auch in den Empfehlungen, die die JIK jedes Jahr der DIK bzw. dem Innenminister übergibt. So baten die Teilnehmer im Empfehlungskatalog der JIK 2011 (PDF) um die dauerhafte Etablierung der JIK und Einbindung in die DIK. Man wolle allerdings keine Dialogplattform für Deutsche und Ausländer bzw. Migranten sein, sondern für muslimische und nicht-muslimische Deutsche – und deswegen auch die Chance für die Bildung neuer Begriffe nutzen. Die DIK müsse darüber hinaus mehr praktische Relevanz aufweisen und Transparenz bzgl. der Kriterien der Teilnehmerauswahl entwickeln. Zudem müssten von nicht-muslimischer Seite mehr Personen, die nicht für den Staat sprechen, eingebunden werden.

Im Empfehlungskatalog der JIK 2012 (PDF) mahnten die Jugendlichen eine verstärkte und vor allem differenzierte Thematisierung von Islam und Muslimen an Schulen an. Außerdem wollten sie selbst die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland verstärkt medial (online) darstellen. Im Rahmen dessen wolle man seitens der JIK eine AG „Mediale Intervention“ schaffen, die mit einem Watchblog und in den sozialen Netzwerken gegen „Rechtspopulismus, Muslimfeindlichkeit und extrem-islamistische Tendenzen“ vorgehen soll. Bei all diesen Themen wurde zudem um stärkere Einbindung in die Aktivitäten der DIK gebeten.

Anlässlich des Plenums der DIK im Mai 2013 übergaben Vertreter der JIK die Forderung, dass die Deutsche Islam Konferenz sich zukünftig „allein auf religionsrechtliche Fragen konzentrieren und Fragen zu Sicherheit und Integration ausblenden“ 7 solle.

Insgesamt gesehen verspielt die JIK also eine große Chance, dass junge Muslime eigene Antworten für muslimisches Leben in Deutschland und Europa finden, etwa auf Fragen nach dem Verhältnis von Ehre und Gewalt, nach der Akzeptanz von Homosexuellen oder Juden, nach der Allgemeingültigkeit und dem Überlegenheitsanspruch ihrer Religion.

Weiterführende Links:

Notes:

  1. Vgl.: Stiftung Mercator, http://www.stiftung-mercator.de/index.php?id=1083, zuletzt geprüft am 08.03.2013.   
  2. Vgl.: Stiftung Mercator, http://www.stiftung-mercator.de/themencluster/integration/junge-islam-konferenz-deutschland.html, zuletzt geprüft am 08.03.2013.  
  3. Webseite der JIK: Was wir erreichen wollen, online verfügbar unter. http://www.junge-islamkonferenz.de/projekt/ziele.html, zuletzt geprüft am 08.03.2013.
  4. Ebd.
  5. Ebd.
  6. Pressemitteilung der JIK (08.03.2013): Bundespräsident empfängt die Teilnehmer der Jungen Islam Konferenz. Online verfügbar unter: http://www.hu-berlin.de/pr/pressemitteilungen/pm1303/pm_130308_00, zuletzt geprüft am 08.03.2013.
  7. Deutsch Türkisches Journal (2013): Religion und Extremismus besser trennen: „Islamkonferenz hat Islamfeindlichkeit angefacht“, 07.05.2013, online verfügbar unter: http://dtj-online.de/news/detail/2214/islamkonferenz_hat_islamfeindlichkeit_angefacht.html, zuletzt geprüft am 08.05.2013.