Khorchide, Mohanad (2012): Islam ist Barmherzigkeit

Mouhanad Khorchide, seit 2010 Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität in Münster, fordert in seinem Buch, in dem er die „Grundzüge einer modernen Religion“ formuliert, das fundamentalistische Verständnis des Korans durch eine humanistische Koranhermeneutik zu ersetzen. Ähnlich den Theologen der Schule von Ankara erklärt er, dass der Koran keine „zeitlose Offenbarung“ ist, vielmehr habe sich die Rede Gottes „zu einer bestimmten Zeit an eine bestimmte Gruppe von Menschen“ gerichtet, und einer Sprache bedient, die allein des fehlenden Vokabulars wegen gegenwärtige Probleme gar nicht thematisieren konnte.

Die Suren des Korans können also nur dann richtig verstanden werden, wenn man gleichzeitig den historisch bedingten Zustand der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse berücksichtigt. So gesehen ist auch die Scharia nicht der Ausdruck göttlichen Willens, sondern ein „menschliches Konstrukt“ aus gesetzlichen Normen, die der totalen Kontrolle aller Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens gewährleisten soll. Demütigende Sanktionen und brutale Körperstrafen widersprechen „unserem heutigen Verständnis von Menschenrechten“, fügt Khorchide hinzu. (Quelle: CT)

Mohanad Khorchide (2012): Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion. Freiburg: Herder Verlag, 220 Seiten, 18,99 Euro. Kaufen bei Amazon.

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