Zick, Andreas; Küpper, Beate (2009): Meinungen zum Islam und Muslimen in Deutschland und Europa***

Stichworte: Islamophobie, Islamfeindlichkeit, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Group-Focused Enmity in Europe, GMF, GFE

Welche Meinungen zum Islam und zu Muslimen in ihrem Land haben Europäer, war die zentrale Frage des Forschungsprojektes zur Group-Focused Enmity in Europe (GFE-Europe). Es basiert wie sein deutsches Vorbild des GMF-Survey (zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit) auf einer repräsentativen Umfrage. 1 Dafür wurden je 1.000 Personen ab 16 Jahren in acht Ländern befragt: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Italien, Portugal, Polen und Ungarn. 2 Inhalt der Umfrage waren Vorurteile gegenüber verschiedensten Gruppen, Einstellungen zur Demokratie und Europa, sowie individuelle Sorgen, Ängste und Orientierungen. Die Befragten sollten dabei ihre Zustimmung oder Ablehnung zu einer Aussage auf einer 4-stufigen ausdrücken (1 = ich stimme überhaupt nicht zu, 2 = ich stimme eher nicht zu, 3 = ich stimme eher zu und 4 = ich stimme voll und ganz zu).

Am deutlichsten unterscheiden sich die Deutschen von anderen Europäern bei der Frage, ob die muslimische Kultur zum eigenen Land passt. Nur 16,6 Prozent der deutschen Befragten bejahen dies eher oder voll, ähnlich 19 Prozent der Polen. Die größte Übereinstimmung zwischen den Kulturen sehen noch die Franzosen und Portugiesen mit je rund der Hälfte der Befragten. Portugal ist auch das einzige Land, in dem weniger als die Hälfte der Befragten (34,4%) der Meinung ist, Muslime würden zu viele Forderungen stellen.

Die durchschnittlich höchste Zustimmung (78,2%) in allen betroffenen europäischen Ländern erhält die Aussage, dass das islamische Frauenbild unseren Werten widerspricht. Auch dass der Islam eine Religion der Intoleranz ist, denkt in fast jedem Land mehr als die Hälfte der Befragten, Ausnahmen sind lediglich die Niederlande 46,6%) sowie Großbritannien (47,2%).

Wie auch beim GMF-Survey sehen die Forscher einen statistischen Zusammenhang zwischen der Ablehnung des Islams und rassistischen, antisemitischen, sexistischen und homophoben Aussagen. Deswegen betrachten sie ihr Forschungskonstrukt der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit als Syndrom in allen Ländern bestätigt.

Darüber hinaus nehmen die GFE-Europe-Forscher wahr, dass den Islam ablehnende Äußerungen offener und unverhohlener zugestimmt wird, als etwa antisemitischen oder rassistischen Aussagen. Die Ursache dafür vermuten sie darin, „dass die Befragten ihr Bild von Muslimen vor allem auf den öffentlich dominierenden Themen Zwangsheirat, Ehrenmord, mangelnde Integration, oder islamistischer Terror begründen.“

Andreas Zick, Beate Küpper (2009): Meinungen zum Islam und Muslimen in Deutschland und Europa. Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Europe (GFE-Europe). Universität Bielefeld (in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universitäten Amsterdam, Bielefeld, Budapest, Grenoble, Lissabon, Marburg, Oxford, Padua, Paris & Warschau). Download als PDF.

Daten: GFE-Europe, Darstellung: www.islamdebatte.de

Abb. 1: Daten: GFE-Europe, Darstellung: www.islamdebatte.de

Tabelle 1: Meinungen zum Islam und Muslimen in europäischen Ländern, Zustimmung („eher“ oder „voll“) in Prozent

DE GB FR IT NL PT PL HU ØEU
Der Islam ist eine Religion der Intoleranz 52,5 47,2 52,3 60,4 46,6 62,2 61,5 53,4 54,4
Es gibt zu viele Muslime in [Land] 46,1 44,7 36,2 49,7 41,6 27,1 47,1 60,7 44,2
Muslime in [Land] stellen zu viele Forderungen 54,15 50 52,8 64,7 51,8 34,4 62,3 60 55,4
Die muslimische Kultur passt gut nach [Land] 16,6 39 49,8 27,4 38,7 50,1 19 30,2 31,3
Die muslimischen Ansichten über Frauen widersprechen unseren Werten 76,1 81,5 78,8 82,2 78,2 72,2 72,1 76,8 78,2

Weiterführende Links:

 

Notes:

  1. Hier wurde allerdings nur eine Umfrage von Oktober bis Dezember 2008 durchgeführt (Querschnitt), während das GMF-Survey eine zehnjährige Längsschnittstudie war.
  2. Die Auswahl der Länder erfolgte nach drei Kriterien: 1. Beteiligung von neuen und alten EU-Mitgliedern mit unterschiedlicher Migrationsgeschichte und -politik, 2. Kooperation mit Wissenschaftlern, die Exzellenz in der Vorurteilsforschung aufweisen, 3. Unterstützung durch private Stiftungen, die eine unabhängige wissenschaftliche Analyse förderten. Vgl.: S. 2.