Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.) (2002-2011): GMF-Survey***

Stichworte: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Islamophobie, Islamfeindschaft, Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Deutsche Zustände

Die sozialwissenschaftliche Vorurteilsforschung beschäftigt sich mit der Ablehnung anderer Menschen aufgrund ihrer (zugeschriebenen) Gruppenzugehörigkeit, insbesondere also mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie – und eben auch Islamophobie oder Islamfeindschaft. Für den deutschsprachigen Raum ist die auf zehn Jahre angelegte Längsschnittanalyse zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF-Survey)  unter der Leitung von Wilhelm Heitmeyer die wohl wichtigste Studie dazu. 1

Die hier interessierende „Islamophobie“ definieren die Forscher des GMF-Surveys als „generelle ablehnende Einstellungen gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islams. Diese Einstellungen können sich in diskriminierenden Verhaltensweisen oder auch Gewalttaten ausdrücken.“ 2

Die Ergebnisse des GMF-Surveys von 2002 bis 2011 haben bzgl. der „Islamophobie“ keine eindeutigen Tendenzen zeigen können. Zwar ist es wie bei anderen Vorurteilen so, dass je älter, ideologisch rechter und ungebildeter eine Person ist, desto mehr lehnt sie den Islam ab. Die als „Islamophobie“ gemessenen Einstellungen sind aber nicht gleichzusetzen mit Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus. Alle drei Phänomene entwickeln sich unabhängig voneinander und die wahrgenommene Ausländerdichte im persönlichen Umfeld hat keinen Einfluss. Außerdem wurde mehrfach deutlich, dass nicht die Muslime als Gläubige, sondern der Islam als System abgelehnt wird und dass ein Großteil der in Sachfragen gegenüber dem Islam kritischen Menschen keine oder kaum Vorurteile hat. Darüber hinaus stimmte nur sehr ein geringer Anteil der Befragten offen-islamfeindlichen Aussagen zu und noch weniger hatten negative Verhaltensabsichten gegenüber Muslimen. 3

Im Folgenden werden aufgrund der Relevanz des Themas einzelne Fragen bzw. Aussagen des GMF-Surveys und die jeweiligen Antworthäufigkeiten wiedergegeben:


Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich […] wie ein Fremder im eigenen Land

Abb. 1: Daten des GMF-Surveys, Darstellung: www.islamdebatte.de

Abb. 1: Daten des GMF-Surveys, Darstellung: www.islamdebatte.de

Tabelle 1: „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.“, Zustimmung in gewichteten Prozent

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
voll und ganz 15,2 17,9 19,4 20 17,8 17,6 16,6 20,4 18,2
eher 15,8 17,2 14,3 19,2 21,2 17,3 15,6 18,5 12
eher nicht 40,5 39,6 40,1 37,2 33,2 38,6 33,2 29,8 39,5
überhaupt nicht 28,4 25,3 26,3 23,6 27,9 26,5 34,6 31,3 30,3

Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.

Daten des GMF-Surveys, Darstellung: www.islamdebatte.de

Abb. 2: Daten des GMF-Surveys, Darstellung: www.islamdebatte.de

Tabelle 2: „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.“, Zustimmung in gewichteten Prozent

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
voll und ganz 12,4 11,9 11,1 11,8 12,4 10,4 9,2 11,2 10,4
eher 14,1 12,1 13,2 16,7 16,6 13,6 12,2 14,9 12,2
eher nicht 46,6 47,5 50,5 45,1 42,8 43,6 43,5 42,9 45
überhaupt nicht 26,9 28,4 25,2 26,4 28,2 32,4 35,1 30,9 32,4

Einmal gestellte Fragen

Tabelle 4: Einzelne Aussagen, die nicht jedes Jahr abgefragt wurden, Zustimmung in gewichteten Prozent

voll und ganz eher eher nicht überhaupt nicht
Islamische und westeuropäische Wertvorstellungen lassen sich miteinander vereinbaren (2011) 10,3 34,3 42,2 13,2
Bei Personen muslimischen Glaubens bin ich misstrauischer (2004) 17,5 21,3 38,1 23,1
Ich hätte Probleme, in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben (2005) 30,4 16,4 30,8 22,4
Es sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben (2005) 10,1 10,8 45,3 33,8
Muslimen sollte jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden (2005) 7,8 7 48,1 37
Die hier lebenden Muslime bedrohen unsere Freiheiten und Rechte (2011) 26 52,1 13,5 8,4
Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden (2005) 51,6 29,1 15,5 3,8

Weiterführende Links:

Notes:

  1. „Islamophobie“, im letzten Jahrgang in „Islamfeindschaft“ umbenannt, wird dort als Teil eines Syndroms zusammen mit anderen Arten der Abwertung erfasst, insbesondere Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Etabliertenvorrechten und Sexismus. Die Erhebung fand in jährlichen Telefonumfragen bei einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Stichprobe von rund 2.000 Personen statt. Im Wesentlichen wurden den Befragten Aussagen präsentiert, zu denen sie auf einer vierstufigen Skala ihre Zustimmung bzw. Ablehnung äußern konnten. Vgl.: Heitmeyer, Wilhelm (2003): Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse aus 2002 sowie 2003. In: ebd. (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 13-30.
  2. Leibold, Jürgen; Kühnel, Steffen (2003): Islamphobie. Sensible Aufmerksamkeit für spannungsreiche Anzeichen. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Deutsche Zustände. Folge 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 100-119, hier S. 101.
  3. Eine ausführliche Diskussion der Ergebnisse findet sich in: Felix Strüning (2012): Kampfbegriff Islamophobie. Ein Überblick zu deutschen Umfragen. Diskussions-Papier der Stresemann Stiftung, 20 Seiten. Online verfügbar unter: http://www.stresemann-stiftung.de/islamophobie, zuletzt geprüft am 05.03.2013.